Kategorie: Geschichten

  • Im Kreuzfeuer #28: Am Arsch der Welt

    Inhaltshinweise zu dieser Geschichte

    Tanya senkte die Waffe ein Stück. „Du meinst, man hat absichtlich mit unseren Erinnerungen herumgepfuscht?“

    „Von selbst hab ich bestimmt nich vergessen, wer ich bin.“

    „Und wer soll das gemacht haben?“

    „Woher soll ich denn wissen, wer das war?! Die Leute, denen das hier alles gehört, nehm ich an. Irgendein Scheißkonzern! Wird das jetzt’n Verhör? Komm schon, ich bräuchte mal etwas Hilfe.“

    Tanya musterte den Kerl kritisch. „Erst sagst du mir, was hier vorgefallen ist.“ Sie zeigte auf die beiden Toten.

    „Ach, der Typ in der Wand war schon da, als ich hier angekommen bin. Muss irgendwas passiert sein, ein Unfall, der hier alles kaputt gemacht hat.“

    „Wir befinden uns auf einem abgestürzten Raumschiff.“

    „Scheiße… aber wir sind noch im Sonnensystem, oder?“

    „Nein, wir sind am Arsch der Welt. Was ist mit dem anderen passiert?“

    Shaggy kniff die Augen zusammen. „Der hat mich angefallen wie’n Irrer. Ich musste ihm eins überbraten. Rührt sich seitdem nich mehr.“

    „Und wie bist du hierhergekommen?“

    „Also doch ein Verhör, was? Na ja, is nur fair. Seh wohl nich gerade vertrauenserweckend aus, nehm ich an. Und bin wohl auch nich der erste, dem du begegnet bist. Hier laufen einige rum. Aber die ham alle den Verstand verloren. Du bist die erste, die im Kopf noch in Ordnung is – das heißt, wenn du mich nicht abknallen willst.“

    „Nicht, wenn du mir meine Fragen beantwortest.“

    „Du bist knallhart, Mädel, knallhart! Also gut, ich bin in so nem engen Scheißraum aufgewacht, in einer dieser Röhren, die in so’n großes Gerät eingesetzt war, na ja, wie eine Patrone in nem Gewehrlauf eben. Du weißt schon, wie bei diesen Hochgeschwindigkeitsgewehren, nich so Laserkram, wie du inner Hand hast. Also, ich war in diesem Gerät und das befand sich auf der anderen Seite von so ner Panzerglasscheibe. Das hat mein Leben gerettet, denk ich. Drüben hat’s wie wild gebrannt. Bin durch einen Schacht gekrochen, dann durch Gänge gelaufen, keine Ahnung, wie lange. Irgendwann kamen Typen in Gelb-Blau so wie du und ich. Sie schrien wie am Spieß und wollten mich kalt machen. Aber ich hatte Glück! Ich konnte in eine Luke kriechen und sie verschließen. Einer hat trotzdem einen Weg hierher gefunden. Bin mit ihm fertig geworden, wie du siehst. Und nun sitz ich hier und bin fix und fertig… zufrieden?“

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  • Die Elfe und der Krieger #29: Deinetwegen, Val

    Inhaltshinweise zu dieser Geschichte

    Valshiëlle räusperte sich. Sie richtete sich auf und schob den Elfen auf Armeslänge von sich. Warum er hier war, wusste sie sehr genau, doch das hatte sie nicht mit ihrer Frage gemeint.

    Vor einigen Tagen war Calion Mondelf auf einem prächtigen Schimmel im Dell’Analiel eingetroffen und hatte den hier ansässigen Waldelfen berichtet, dass er von den nördlichen Wäldern und Steppen komme, aus den Silberwäldern, wo die Sippen der Hochelfen lebten. Von klein auf hatte Valshiëlle ihre Mutter von den fernen Gefilden ihrer Herkunft im Norden erzählen hören und, wie schön es dort gewesen sei. Deshalb war Calion für Valshiëlle sofort jemand Besonderes gewesen, ein Hochelf, der sie über die neuesten Geschehnisse aus ihrer ursprünglichen Heimat aufklären konnte, von der sie so gut wie nichts wusste. Valshiëlle war zu jung gewesen, um sich an ihre Heimat zu erinnern, die ihre Mutter vor langer Zeit verlassen hatte. 

    Da die fernen elfischen Verwandten aus den Silberwäldern diejenigen, die damals fortgegangen waren, nie aus ihrem Herzen ausgeschlossen hatten und sich stets fragten, was aus ihnen geworden war, hatten sie nach all den Jahren schließlich Elfenboten ausgesandt, die Wälder südlich ihrer Heimat auf der Suche nach ihren verlorenen Kindern zu durchstreifen. So war auch Calion Mondelf, ein junger Jäger, ausgezogen und letztendlich Valshiëlle begegnet, nachdem er die verschollen geglaubten Hochelfensippen unter den Waldenelfen wiederentdeckt, die einträchtig mit den Birkensunder Menschen lebten. Gerade weil Valshiëlle und Calion schnell Freunde geworden waren, hätte die Elfe niemals erwartet, dass er so abschätzig über die Menschen denken und reden würde.

    „Ich bin hier“, sagte Calion, „weil die Elfenfürsten des Silberwaldes sich um dich sorgen.“

    Die Elfe schnaubte. „Um mich?“

    „Ich bin deinetwegen hier, Val.“

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  • Die Elfe und der Krieger #28: Kinder des Silberwaldes

    Inhaltshinweise zu dieser Geschichte

    Valshiëlles Arme lösten sich ein wenig aus ihrer abweisenden Haltung, ganz so, als wäre sich die Elfe ihrer Position nicht mehr so sicher. Calions Blick mied sie weiterhin.

    „Wie kann man nur so arrogant sein?“, schimpfte sie stattdessen. „Kann man einem Menschen verwehren, dass er nur das Allerwichtigste erleben möchte? Aus der Sicht eines Elfen, einem Wesen, das viele Jahrhunderte leben kann, mag das Leben eines Menschen hastig erscheinen. Aber versucht der Mensch nicht bloß das Beste aus der Zeitspanne zu machen, die er auf dieser Welt verweilen darf? Damit diese kurze Frist irgendeinen Sinn bekommt?“

    Zornig holte Valshiëlle zu einer schwungvollen Geste aus, als sie mit einem Mal auf dem nassen Felsen ausrutschte und den Halt verlor. Sie ruderte mit den Armen, die Welt kippte. Wahrscheinlich wäre sie ins Flussbett gefallen, hätten sie nicht im letzten Moment Calions Arme aufgefangen. Erschrocken raffte sie sich an ihn.

    Seine Hand umfasste ihr Kinn und zwang sie zart, ihm ins Gesicht zusehen. Plötzlich war er ihr so nah, dass ihr die Luft wegblieb.

    „Wenn du zornig bist, wirst du unbedacht“, behauptete er frei heraus. „Achte darauf, wohin du trittst! Auch im Kampf kann dir das nur von Nutzen sein.“

    „Weshalb bist du hier?“, flüsterte sie heiser.

    „Ich bin hier“, erwiderte Calion, „weil ich ausgesandt wurde, um die verlorenen Kinder des Silberwaldes zu finden. Und du bist eines davon, Val.“

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  • Die Elfe und der Krieger #27: Zwietracht

    Inhaltshinweise zu dieser Geschichte

    Calions Blick verfinsterte sich. „Höre ich da den Trotz und die Naivität einer zu jungen Elfe oder ist es vielmehr die eines Menschen?“

    Innerlich fuhr Valshiëlle zusammen, den vorletzten Satz hätte sie nicht erwartet. „Was soll das denn heißen?“, blaffte sie ihn an.

    „Der Umgang mit ihnen bekommt dir nicht.“

    „Ach, ist das so?“

    „Ich sorge mich doch nur als Freund um dich. Kein Grund also, so aus der Haut zu fahren“, erklärte Calion beschwichtigend. „Ich kann deine Begeisterung für sie dennoch nicht teilen. Sie hasten durch ihr Leben und sind stets bestrebt, es auf das Wesentliche zurichten, aber am Ende verpassen sie es bei all ihrem Eifer.“

    Der Elfe wäre beinahe der Stab aus der Hand gefallen, so sehr bestürzten sie die Worte ihres Gegenübers.

    „Ja, aber…“, begann sie und spürte, sie müsse die Position der Verteidigung einnehmen, um Calion eines Besseren zu belehren, „…aber die Menschen, mit denen die wenigen Elfen in diesem Wald zusammenleben, sind ehrbare Geschöpfe. Sie leben von der Jagd und dem Handel mit anderen Dörfern ihres Volkes!“

    Calion stützte sich auf seinen Stab und spähte in den Wald, zwischen die dicht beieinanderstehenden uralten Baumsäulen und Lianen, wo die ersten Feenlichter den nahenden Abend ankündigten.

    „Ich verstehe ja, dass du neugierig bist, Val, doch möchte ich dich bitten, wenigstens vorsichtig zu sein.“

    Während der Elf so auf seinem reich verzierten Stab gestützt dastand, hätte man glauben können, dass er versuche, etwas in dem Dickicht zu entlarven. Valshiëlle wollte schon seinem durchdringenden Blick mit den Augen folgen, als er plötzlich eben diesen auf sie lenkte.

    „Zwietracht ist schnell gesät.“

    Trotzig verschränkte Valshiëlle die Arme und drehte den Kopf weg, damit sie seinem Blick nicht begegnen musste. „Es ist lange her, seitdem die Elfen diesen Wald betraten und ihn Dell’Analiel nannten, doch von Beginn an verstanden sie sich mit den Menschen.“

    „Erzählen das die Menschen oder die Elfen?“, wollte Calion wissen. „Oder wünschst du dir, dass es so gewesen wäre?“

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  • Im Kreuzfeuer #27: Shaggy

    Inhaltshinweise zu dieser Geschichte

    „Bist du auch ne Verrückte?“, knurrte der Mann fragend.

    Tanya wusste nicht, wie sie reagieren sollte, und schwieg deshalb.

    „Denn wir sind im selben Team, weißt du. Guck hier“ – er zupfte an seinem Anzug – „wir ham denselben Fummel an. Und trotzdem kloppen wir uns die Schädel ein. Sag schon, willst du mich jetzt mit dem Ding da totschießen?“

    Tanya schüttelte den Kopf.

    „Wir sind Gefangene“, sagte sie unvermittelt.

    „Sowas hab ich mir schon gedacht“, antwortete der Kerl nicht ohne Ironie.

    „Wer bist du?“

    Der Mann lachte auf. „Ha! Du wirst denken, ich will dich verscheißern, Mädel, aber ich bin ganz ehrlich zu dir. Denn… ich weiß es nicht. Keine Ahnung, wer ich bin. Seit ich aufgewacht bin, ist mein Kopf ein Haufen Scheiße.“

    „Erinnerst du dich an deinen Namen?“

    „Nicht wirklich! Aber fürs erste fühlt’s sich richtig an, wenn du mich Shaggy nennst.“

    „Shaggy also.“ Sie nickte. „Ich bin Tanya. Und mit meiner Erinnerung stimmt auch etwas nicht.“

    „Du also auch. Na prima!“ Shaggy grinste verbissen. „Und jetzt, wo wir uns vorgestellt ham, wärst du so freundlich, nich mehr dieses verdammte Ding“ – er meinte die Laserpistole – „auf mich zu richten? Immerhin sind wir auf derselben Seite.“

    „Sind wir das?“

    „Ja, Mädel, ja! Aber sicher sind wir das! Denn irgendwer hat uns hier eingefroren und unsere Köpfe kaputtgekriegt. Das is nich nett, weißt du. Und weil der darum unser Feind is, sind wir Freunde. Logisch, oder?“

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