Kategorie: Fragmente

  • Im Kreuzfeuer #22: Ich, eine Verbrecherin?

    Inhaltshinweise zu dieser Geschichte

    Moment mal! War Tanya nicht selbst in einer Art Zelle aufgewacht? Das hieß doch nicht etwa, dass sie selbst eine verurteilte Verbrecherin war? Das zumindest könnte erklären, weshalb sie angesichts des allgegenwärtigen Todes so kühl blieb. Vielleicht war sie eine Kriegsverbrecherin. Oder eine Mörderin. Mögliche Gründe für ihre Abgebrühtheit waren endlos. Vielleicht war sie unschuldig und fälschlich zu dieser Strafe verurteilt worden? Nur weil sie sich zusammenreißen konnte, hieß das noch lange nicht, dass sie etwas Schlimmes getanhatte. Sie konnte genauso gut zur Besatzung gehören. Vielleicht war sie eine Söldnerin. Immerhin schien ihre Körper überdurchschnittlich fit zu sein. Aber das mochte auch auf Präparate zurückzuführen sein, die man ihr während des Kälteschlaf gegeben haben könnte, um sie wieder aufzuwecken. Dann würde die Wirkung bald wieder nachlassen.

    „Egal“, raunte Tanya sich selbst zu. Sie hatte das Bedürfnis, eine Stimme zu hören. „Ich werde es im Moment nicht herausfinden können. Es sei denn…“

    Via Konsole des Captains versuchte die Frau Informationen über sich aus dem zentralen Bordsystem zu beziehen, forschte nach, ob es unter dem Namen Tanya irgendwelche Profile gab. Leider war dieser Name nicht besonders einmalig. Ohne Identifikationsnummer oder wenigstens einen Nachnamen konnte sie die Datenbanken tagelang durchsuchen. Wenn sie ohnehin auf diesem Planeten festsaß, war das zumindest aus Zeitgründen kein Problem. Dennoch wäre das eine Aufgabe für später, wenn sie alles Wichtige für ihr Überleben gesichert hatte.

    Zudem entdeckte Tanya, dass sie ohne Sicherheitsfreigabe weder auf die Profile des Personals noch auf die der Sträflinge zugreifen konnte. Diese Blockade durch das Sicherheitssystem müsste sie erst überbrücken.

    Doch dann, während ihre Augen die aufgelisteten Kennnummern der Sträflingsprofile entlangwanderten, erinnerte Tanya die Zeichen, die neben der Tür ihrer Unterkunft geblinkt hatten. Jetzt verstand sie auch, was sie bedeuteten. Es waren Buchstaben und Ziffern gewesen, die zusammen eine Zeichenabfolge ergaben:

    CK-T.132.

    Das musste eine Kennnummer sein!

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  • Im Kreuzfeuer #21: Fern der Heimat

    Inhaltshinweise zu dieser Geschichte

    Die Navigationsprotokolle studierend fand Tanya heraus, dass der Zielplanet der Lazarus VII, X-Tarma-12, nie erreicht worden war. Von dem X-Tarma-Sternensystem hatte sie ohnehin noch nie gehört. Selbst wenn sie ihre Erinnerungen nicht verloren hätte, wäre das kein Wunder gewesen. Denn dieser offenbar zur Kolonisierung ausgeschriebene Planet befand sich am äußersten Rand des bekannten Universums. Aufgrund der rudimentären Infrastrukturen wollte für gewöhnlich niemand an solch einem Ort leben, es sei denn, er konnte sich für nichts Besseres qualifizieren. Aufgrund eines Notsignals und auf Geheiß der Planetenleitstelle von X-Tarma-12 war die Lazarus VII in noch unzureichend kartografiertes Gebiet vorgedrungen. Auf welchem Planeten auch immer sie sich jetzt befand, Tanya war damit nachweislich einer der wenigen „glücklichen“ Menschen im ganzen Universum, die am weitesten von ihrer Heimat – der Erde, wie sie jetzt mit Gewissheit erinnerte – entfernt waren.

    „Großartig“, flüsterte Tanya.

    Aber das war noch nicht das Beste. Denn sie erfuhr außerdem aus dem zentralen Bordsystem, auf das sie von hier zugreifen konnte, dass dieses Schiff kein Kolonisierungsschiff mehr war, sondern zu einem Gefangenentransporter umfunktioniert worden war. Die Mission des Schiffes war es, wie sie den Logbüchern entnahm, X-Tarma-12 nicht zu kolonisieren, sondern bereits bestehende Strafkolonien mit neuen Arbeitskräften zu versehen, sowie eine Forschungsstation auszubauen, deren näherer Zweck nicht ohne Sicherheitsfreigabe einzusehen war. Offenbar wurden die Strafgefangenen in Kälteverschlaf versetzt, um sie widerstandslos und über lange Zeit transportieren zu können. Das bedeutete, Tanya befand sich nicht nur jenseits der Zivilisation auf einem abgestürzten Haufen Schrott in der Größe einer Stadt, sondern außerdem an einem Ort, der – sofern hier noch irgendwer überlebt hatte – von Schwerverbrechern nur so wimmelte.

    „Absolut großartig“, flüsterte Tanya.

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  • Im Kreuzfeuer #20: Geheimprojekt

    Inhaltshinweise zu dieser Geschichte

    Benommen von der Rutschpartie rappelte Tanya sich wieder auf und sah sich um. Offenbar war sie auf der Kommandobrücke des Raumschiffs gelandet. Allerdings nicht auf der Hauptbrücke, wie sie schnell merkte, sondern auf einer von vielen Notfallkommandobrücken, die bezogen werden konnten, wenn die Hauptbrücke zerstört oder funktionsuntüchtig war. Entsprechend verlassen wirkte der Raum. Hier war niemand während des Absturzes gestorben, schlicht weil niemand hier gewesen war, als es passierte. Es muss alles sehr schnell gegangen sein.

    Die Anzeigen waren alle tot. Nur auf dem Sitz des Captains funktionierte noch ein Monitor. Aus den Daten, auf die Tanya mittels der Anzeige zugreifen konnte, schloss sie, dass die Lazarus VII kurz vor dem Absturz eine Begegnung mit einem nicht identifizierten Flugobjekt hatte. Lazarus VII, so hieß dieses Raumschiff offenbar und es war tatsächlich, wie sie vermutet hatte, ein Kolonisierungsschiff.

    Tanya erinnerte sich an das korallenartige Ding, das sie im Weltraum gesehen hatte, und an den weißen Strahl, den es aussandte, kurz bevor sie ohnmächtig geworden war. Gut möglich, dass dies der Angriff eines bisher unbekannten Schiffstyps gewesen war. Und selbst wenn dieser Typ fremdartig aussah, geradezu lebendig, musste er nicht zwingend von Außerirdischen stammen, überlegte sie. Viel wahrscheinlicher war, dass ein menschliches Geheimprojekt dahintersteckte.

    Einen Moment wunderte sich Tanya über die Gedankengänge, die ihr Kopf von selbst anstellte. Vielleicht hatten diese Kenntnisse irgendetwas mit ihrer verschüttgegangenen Vergangenheit zu tun. Sie ließ es dabei bewenden und setzte ihre Recherchen fort.

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  • Die Elfe und der Krieger #20: Jeliéthiel

    Inhaltshinweise zu dieser Geschichte

    Der Hengst polterte ungeduldig und schüttelte seine Mähne. Jasper fasste das Pferd fester bei den Zügeln, um es im Zaum zu halten.

    Lysha lief rot an, als ihr auffiel, dass sie noch immer an seinem Handgelenk hing und ihn dadurch behinderte. Sie ließ sofort los und wich einen Schritt zurück, als hätte sich sein Arm in eine giftige Schlange verwandelt.

    Jasper lächelte sie an, dankbar, dass sie ihn endlich losgelassen hatte. Dann strich er dem Hengst, der sich sträubte und Ruhe geben wollte, über die Flanke und flüsterte ihm einige Worte ins nervös zuckende Ohr.

    „Was für ein wildes Tier!“, rief Lysha, um von der gefühlten Peinlichkeit der Situation abzulenken. Dabei ging die Bardin mit ihr durch: „So anmutig, so voller Stolz, so ungezügelt in seiner Kraft!“

    An dem Glanz von Lyshas Augen erkannte Jasper, dass sie meinte, was sie sagte. „Jeliéthiel ist ein prächtiges Pferd“, stimmte er ihr zu, fragte sich insgeheim aber, ob sie in Wahrheit gar nicht das Tier, sondern ihn beschrieben hatte. Ihre Blicke gaben ihm Anlass genug für diese Überlegung. Er dachte das ganz ohne Eitelkeit. Eher stieg ihm bei diesem Gedanken die Hitze in die Wangen.

    „Und einen elfischen Namen hat er auch, nicht wahr?“, stieß Lysha hervor, um das Gespräch am Laufen zu halten.

    Jasper nickte. „Leider ist Jeliéthiel nicht mein Pferd. Er gehört Herzog Benninger. Ich könnte mir ein Reittier wie dieses im Leben nicht leisten. Überhaupt darf ich froh sein, dass mich der Herzog an seinem Hof akzeptiert hat. Nur weil ich dort gute Arbeit verrichte, wie er meint, kann ich den Unterricht bezahlen.“

    „Ach ja? Was für Arbeit denn?“ Lysha nickte zum Sattel, an dem ein Schwert befestigt war. Es steckte in einer schlichten Schwertscheide, der jegliche Verzierungen fehlten. „Vertreibst du Strolche und Ungeheuer mit dieser Klinge dort?“

    Jasper fasste sich verlegen an den Hinterkopf. „„Äh, nicht ganz… Die meiste Zeit miste ich den Stall aus und schleppe Kohlesäcke für den Schmied. Ich helfe, wo ich gerade gebraucht werde.“

    „Ehrliche Arbeit!“, rief Lysha mit Inbrunst. „Kein Grund, damit hinterm Berg zu halten!“

    Da lachte plötzlich eine raue alte Stimme. „Ich denke, du hast den jungen Mann mit genug Fragen gelöchert, mein Kind. Was hältst du davon, wenn du ihn erst einmal wieder zu Atem kommen lässt, ja? Er schien außerdem in Eile zu sein.“

    Jasper horchte auf. Abseits des Weges saß ein alter Mann im Schneidersitz unter den Bäumen. Lysha hatte ihn so in Beschlag genommen, dass er ihm gar nicht aufgefallen war. Aber jetzt da er ihn gesehen hatte, kam er ihm irgendwie bekannt vor.

    „Finn?“, fragte er hoffnungsvoll. „Bist du es?“

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  • Die Elfe und der Krieger #19: Fragen über Fragen

    Inhaltshinweise zu dieser Geschichte

    „Es ist ewig her, Lysha!“, begann Jasper, als er sie auf Armeslänge von sich forthielt, um sie besser begutachten zu können „Aber ich erinnere mich noch sehr gut an dich.“ Er wuschelte ihr blondes Haar. „Du warst noch ein kleines Mädchen, als wir uns zuletzt gesehen haben!“

    „So klein nun auch wieder nicht!“, korrigierte Lysha ihn und schob seine Hand, die ihre Frisur ruinierte, beiseite. „Inzwischen bin ich schon zweimal erwachsen! Fünfzehn Sommer und sechszehn Winter, um genau zu sein!“ Und dann erklärte sie altklug: „Andere Frauen sind jetzt schon lange verheiratet, weißt du…“

    Jasper hob die Augenbrauen. „Ähm… ja… klar.“

    „Und du bist jetzt… lass mich mal rechnen… neunzehn Sommer und Winter alt, oder irre ich mich?“

    „Nein, da liegst genau richtig… Hör mal, Lysha, es war schön, dich wiederzusehen. Aber ich will weiter nach Birkensund. Wir sehen uns bestimmt auf dem Mittsommerfest heute Abend…“

    Jasper war schon drauf und dran, in den Sattel zu steigen, da hielt Lysha ihn mit beiden Händen am Handgelenk fest. „Wo bist du die ganze Zeit gewesen?“, rief sie. „Was hast du gemacht? Wie ist es dir ergangen?“ Lyshas Wangen leuchteten vor Aufregung. „Du musst mir alles ganz genau erzählen!“

    Jasper, den die vielen Fragen überwältigten, seufzte. Aber dann lachte er leise in sich hinein. „Also gut“, fing er geduldig zu erklären an. „Ich komme aus Castella. Dort lebe ich am Hof von Herzog Benninger. Er und einige seiner Untergebenen unterrichten dort junge Leute im Schwertkampf, Lanzenreiten und im Umgang mit schweren Langwaffen. Wer sich bewährt, den nimmt der Herzog mit zu einem Anwesen, etwas abseits der Burgstadt. Dort ist seine persönliche Ausbildungsstätte für Kämpfer. Der Herzog meint, das Land habe immer Bedarf an Kämpfern.“

    „Und gefällt es dir dort?“, fragte Lysha. Sie war hellauf begeistert von seiner Erzählung. Auf den Gedanken, Jaspers Handgelenk wieder loszulassen, kam sie darum gar nicht erst. Sie hielt ihn fest, so wie er das Pferd bei den Zügeln hielt.

    „Es ist hart und anstrengend“, beantwortete er ihre Frage offen und ehrlich, während er versuchte, sich von ihrem Griff zu befreien, ohne unhöflich oder gar grob zu werden. Das stellte sich als recht schwierig heraus, da er die Zügel nicht loslassen wollte. „Aber ich bin sehr gerne dort. Ich will unbedingt ein Krieger werden!“

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