Kategorie: Fragmente

  • Die Elfe und der Krieger #14: Ganz anders, als du denkst

    Inhaltshinweise zu dieser Geschichte

    Obwohl Lysha ihrem Lehrmeister geradezu ins Ohr gebrüllt hatte, rührte er sich kein bisschen. Verdutzt stupste sie dem Alten wieder und wieder gegen die Schulter, woraufhin er endlich aufwachte und sich schmatzend umschaute. Als er Lysha erblickte, die ganz nah herangekommen war, erschreckte er so heftig, dass er zappelnd nach hinten umfiel. Daraufhin erschreckte auch Lysha und machte einen Satz zurück. Keine Sekunde später saßen Meister und Schülerin wieder im Schneidersitz und taten so, als wäre nichts passiert.

    „Wie oft soll ich es dir denn noch sagen“, rügte Finnegan seine Schülerin mit sanfter Stimme. „Finn reicht vollkommen aus.“

    „Meister Finnigan!“ Der Alte seufzte resignierend, als seine Schülerin ihn so nannte. „Habt Ihr meinem Spiel überhaupt zugehört?“

    „Sicher, mein Kind, sicher!“

    Lysha stemmte die Arme in die Seiten. „Dann interessiert mich brennend, warum Ihr unentwegt während der Lehrstunden einschlaft! Nehmt Ihr mich nicht ernst? Ist es das?“

    Finnigan begegnete dem wütenden Blick seiner Schülerin mit einem Lächeln. „Lysha, meine Liebe, es ist ganz anders, als du denkst“, erwiderte er ruhig und gelassen. Um seine Schülerin zu besänftigen, würde er sich ein ausgesprochen gutes Argument einfallen lassen müssen.

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  • Die Elfe und der Krieger #13: Lysha und Meister Finn

    Inhaltshinweise zu dieser Geschichte

    Schließlich, als die Stimme geendet hatte, glitten schmale Finger von den Saiten einer schlichten Harfe und strichen eine Locke hinter ein Ohr. Zwei helle Augen blickten von dem Instrument auf und richteten sich erwartungsvoll auf einen alten Mann.

    Im Schatten einer Baumgruppe, die den nahen Wald ankündigte, saß der ergraute Mann im Schneidersitz. Buschige schwarze Augenbrauen, die trotz der vielen Lebensjahre kaum an Farbe eingebüßt hatten, und eine große, spitze Nase bildeten die markanten Punkte seines Gesichtes. Ein grauweißer Krausbart verbarg den Rest seines faltigen Antlitzes, das er auf seine Hand abstützte, und ein von langer Wanderschaft dreckiger, leicht zerknautschter Hut verdeckte sein langes weißes Haar. Unter einem braunen Tuch mit Fransen, das er sich um die Schultern gewickelt hatte, trug er eine einfache weiße Robe, die um die Hüfte mit einer Kordel gerafft war. In seinem Schoß ruhte eine mittlerweile abgewetzte, aber nach wie vor hübsche Laute.

    Lysha nestelte nervös an ihren einfachen Kleidern. Ein weißes, enges Hemd, dessen Ärmel hochgekrempelt waren, musste genügen, um die junge Bardin zu schmücken, ebenso wie die einfache braune Stoffhose und abgetragene Stiefel. Das Weiß ihrer Kleidung bildete jedoch einen schönen Kontrast zu ihrer sonnengebräunten Haut.

    Während Lysha die widerspenstige Locke ihres kurzen, blonden Haarschopfes hinter ihr Ohr hakte, warf sie abermals einen Blick auf den Alten. Wenn er doch nur antworten würde, dann wüsste sie endlich, was er von ihrer Darbietung hielt. Gerade als sie sich im Stillen Mut damit machte, er ließe ihren Vortrag noch einmal Revue passieren, glaubte sie ein leises Brummen aus seiner Richtung zu hören.

    Lysha legte die Harfe zur Seite und beugte sich vor, um ihren Lehrmeister intensiv zu beäugen. Er sog die Luft ruhig und gleichmäßig ein, um sie mit einem tiefen Brummen wieder auszuatmen. Seine Augen waren tatsächlich geschlossen.

    „Irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass er eingeschlafen ist“, murmelte sie verärgert und brüllte dann mit aufbrausendem Temperament. „He! Meister Finnigan, aufwachen!“

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  • Die Elfe und der Krieger #12: Hohelied

    Inhaltshinweise zu dieser Geschichte

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    Nicht weit den Bergpfad hinab wurden die Saiten einer Harfe gezupft und eine Frauenstimme hob zu einem wehmütigen Gesang an, verband sich mit einer geheimnisvollen Melodie und erzählte von den Geschicken der Völker, die in Dhoril lebten, von den Elfen, Zwergen und Menschen, von Krieg und Frieden der sieben Fürstentümer, in die das Land zersplittert war, seit es keinen König mehr gab, von Leid und Freud der Jahrhunderte, Hass und Liebe der Fliehenden und Helfenden, dem Feuereifer der Kämpfenden, die für ihre Lehnsherren fochten und allzu oft ihr Leben verloren.

    Dies war das Hohelied von Dhoril, an dem durch die Jahrhunderte zahllose Barden geschrieben hatten und noch immer schrieben, Hunderte von Strophen im Widerstreit um Wahrheit und Dichtung, Geschichte und Mythos, manche unter die Leute gesät von Unbekannten, sodass sie wie Volkslieder nicht vergessen wurden, andere im Namen hoher Herren beauftragt.

    Eines hatten alle Strophen gemein. Helden nannten sie viele und zugleich keine. Denn Helden kannte die Geschichte nicht, nur herausragende Schicksale, die über kurz oder lang tragisch endeten, aber ohne die Dhoril nicht wäre, was es heute ist.

    Ein verborgener Zuhörer hätte der Anmut, mit der die Frauenstimme eine Handvoll Strophen vortrug, leicht verfallen können.

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  • Im Kreuzfeuer #13: Untergang

    Inhaltshinweise zu dieser Geschichte

    Ehe das Shuttle des Bergungsteams aus dem Hangar starten konnte, erschütterte eine gewaltige Explosion den weiten Raum. Harry wurde durch die Luft geschleudert und prallte gegen die Außenwand eines Raumgleiters. Stöhnend versuchte er sich aufzurichten, aber etwas stimmte nicht mit seinem linken Bein. Der ganze Hangar war jetzt mit rotem Licht geflutet. Funken stürzten von der Decke. Überall um ihn herum schrien Menschen. Das Bergungsshuttle stand in Flammen.

    Plötzlich neigte sich die Lazarus VII insgesamt und sämtliche Raumfahrzeuge begannen, sich in eine Richtung in Bewegung zu setzen. Harry ahnte, was das Problem war: Dass das Raumschiff kippte, wäre an und für sich ungefährlich. Im Weltall gibt es kein Oben und Unten. Da aber offenbar das Schwerkraftsystem defekt war, korrigierte es nicht mehr die Richtung der Schwerkraft. Womöglich würde jeden Moment sogar die Schwerelosigkeit einsetzen.

    Ein ohrenbetäubendes Dröhnen kündigte an, dass die Lazarus VII im Begriff war auseinanderzubrechen. Zischend entwich der Sauerstoff durch Abermillionen von Rissen ins Vakuum des Weltraums.

    ***

    Die Funken schlugen Löcher in Dr. Garrets Hände. Doch sein Schmerzensschrei ging im Getöse unter. Im nächsten Moment explodierte eine Leitung, deren Entladung den Mann zerfetzte. Seine versengten Innereien klatschten gegen die Wände, bevor alles in Rauch und Feuer unterging.

    ***

    Der Captain der Lazarus VII wusste, dass eine unkontrollierte planetare Notlandung mit einem derart riesigen Schiff einer Naturkatastrophe gleichkäme. Doch es war nicht mehr abzuwenden. Der Gefangentransporter stürzte auf den grünen Giganten ab, der anders als die Planeten der interstellaren Erdgemeinschaft über keine Abwehrmechanismen hiergegen verfügte. Dennoch gab es intelligentes Leben auf dem Planeten. Sogar Städte. Unter anderen Umständen wäre es eine sensationelle Entdeckung gewesen. Alles, was er jetzt noch tun konnte, war so sanft wie irgend möglich zu landen, weitab dieser außerirdischen Zivilisation.

    Als der Captain an seinen Sitz inmitten der Kommandobrücke festhielt und sich auf den Eintritt in die Atmosphäre vorbereitete, wusste er, dass irgendjemand oder irgendetwas auf sein Schiff geschossen hatte. Er wusste, dass er in einen Hinterhalt geraten war – mit katastrophalen Konsequenzen.

    Langsam, aber sicher senkte sich die Lazarus VII in einer Trümmerwolke auf den Planeten hinab.

    Ende@Kapitel 1: Untergang

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  • Im Kreuzfeuer #12: Alarmstufe Rot

    Inhaltshinweise zu dieser Geschichte

    Mit einem Mal wurde der Raum in rotes Licht getaucht und ein langgestrecktes Geräusch ertönte, das anschwoll und wieder abschwoll. Entsetzt kauerte sich die Frau unter der Liege zusammen und bedeckte ihre Ohren. Dann war wieder eine Frauenstimme zu vernehmen, eine andere als eben, und sie klang so gefühllos, als sie wieder und wieder dasselbe sagte:

    „Alarmstufe Rot! Alle Besatzungsmitglieder sofort auf ihre Posten! Wiederhole: Alarmstuf Rot! Alle Besatzungsmitglieder sofort auf ihre Posten!“

    Draußen vor der Tür waren Schritte zu hören. Dann Rufe. Plötzlich donnerte etwas und der Raum wurde erschüttert. Ein mächtiges Dröhnen wanderte durch die Wände. Zwischen die Rufe mischten sich Schreie. Wieder knallte es. Was war das für ein Lärm?

    Jetzt begriff die Frau, was vor sich ging! „Ich bin auf einem Raumschiff“, dachte sie. „Aber warum bin ich auf einem Raumschiff? Warum bin ich nicht Zuhause? Wo eigentlich ist mein Zuhause? Wieso weiß ich nicht, wo mein Zuhause ist? Wieso habe ich keinen Namen?“

    Sie wollte aufschreien und sich die Haare raufen. Doch sie hatte keine Haare, in die ihre Finger greifen konnten. Stoppeln nur. Dann sah sie das rote Objekt draußen vor dem Fenster, draußen im Weltraum, wie sie begriff. Es sah aus wie eine gigantische Koralle, deren Konturen sanft waberten. Es war wunderschön und seltsam hypnotisierend.

    Engel, dachte sie.

    Aus dem Inneren der Koralle schoss ein weißer Strahl an ihrem Fenster vorbei und traf das Raumschiff. Alles bebte. Die Frau wollte sich festhalten, aber wurde von den Füßen gerissen und knallte mit dem Hinterkopf hart auf den Boden. Verschwommen sah sie, wie der Raum um sie herum einstürzte.

    ***

    Als die Computer in dem Wiedererweckungslabor explodierten, zerplatzten nicht nur ihre Monitore. Die Eingabekonsolen, in die sie verbaut waren, sprengten als Ganzes auseinander und überschütterten Dr. Cramer mit Feuer. Die Flammen von den Ärmeln seines Kittels schüttelnd blickte er aufwärts, als er ein schreckliches Knirschen hörte. Seine Gedanken galten Subjekt CK-T.132. „Ich kann noch nicht sterben“, dachte er. „Ich muss erst eine Lösung für dich finden, mein Kind!“ Dann stürzte die Decke ein.

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